Autismus
Nach der wissenschaftlichen Definition ist Autismus eine der gravierendsten Entwicklungsstörungen, die man kennt. Betroffen ist immer die Gesamtpersönlichkeit. Die Wahrnehmung, das Fühlen, Denken und Handeln sind schwer beeinträchtigt. Autisten finden, so scheint es, keinen Zugang zu ihrer Umwelt. Die Betroffenen ziehen sich in sich selbst zurück, leben wie in einem Gefängnis. Von sich aus können sie nicht hinaus. Informationen von außen können sie nicht adäquat verarbeiten.
Aufgrund einer Störung des Zentralnervensystems fehlt ihnen die Fähigkeit, Sinneseindrücke zu einem unserer Meinung nach sinnvollen Ganzen zusammenzufügen. Statt geordneter Informationen entsteht Chaos, das sich in Form schwerer Verhaltensstörungen äußern kann: Schrei-, Wutanfälle, Tätlichkeiten, Selbstbeschädigung, zwanghaft ritualisiertes Verhalten. Doch die Frage nach einer eindeutigen Ursache von Autismus bleibt unbeantwortet. Derzeit gilt die Ansicht, dass ein Bündel von Faktoren zur Entstehung von Autismus führt. Genetische Faktoren dürften dabei jedoch eine ganz wesentliche Rolle spielen.
Ursache für Autismus – gestörte Zellkommunikation?
Autismus ist zu einem wesentlichen Teil genetisch bedingt, darin stimmt die gegenwärtige Forschung überein. Wahrscheinlich sind sogar ausschließlich genetische Faktoren bestimmend. Aus dem Umfeld sind vielleicht zusätzlich indirekte Wirkungen denkbar, die bei entsprechenden genetischen Voraussetzungen Autismus bewirken. Bei der tiefgreifenden Entwicklungsstörung sind vor allem solche Erbanlagen verändert, die für die Vernetzung von Nervenzellen im Gehirn wichtig sind. Darauf deuten heute drei große Genomstudien mit etwa 12.000 Probanden übereinstimmend hin. Es gibt allerdings keine genau definierte Stelle, mehrere Regionen auf verschiedenen Chromosomen können mit Autismus in Verbindung gebracht werden. Bei den Untersuchungen, die zu den oben genannten Ergebnissen führten, wurden Regionen des Chromosoms 5 genauer erforscht.
Autismus umfasst ein weites Spektrum von Symptomen, das von dem eher milden Asperger-Syndrom bis zu sehr auffälligen Defiziten der verbalen und nonverbalen Kommunikation reicht. Bei sämtlichen Formen von Autismus ist vor allem die soziale Interaktion mit anderen Menschen beeinträchtig.
Wenngleich man heute immer mehr die Genetik als Ursache für Autismus erkennt, weiß man doch noch nicht, wodurch jene Prozesse verursacht werden, die zu den gestörten Entwicklungen führen. Bis jetzt blieb auch die Suche nach einem „Botenstoff“ erfolglos, dessen Vorhandensein zur eindeutigen Diagnose führen könnte und in weiterer Folge zu einer denkbaren „Behandlung“.
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